Warum wehren sich Menschen gegen Neues - auch wenn (und gerade weil) dieses 'Neue' ihre Probleme lösen könnte?
Einerseits ist der Mensch kindlich neugierig und deshalb auch leicht zu motivieren - solange dieses Neue nicht mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden ist (also auch keine Ängste auslöst). Bietet man dem Menschen hingegen Neues im Sinne von Lösungsmöglichkeiten für Probleme an, unter denen er leidet, wird das grundsätzliche Interesse von Ängsten 'ausgebremst' und Zweifel beginnen zu wirken, die großteils schon in früher Kindheit adaptierte Bilder wachrütteln, z.B.: a) geht doch sowieso nicht!; b) sonst wären doch schon Andere darauf gekommen; c) was da wohl dahintersteckt?; d) was bringt mir das denn? (Das Hangeln nach Garantien!); e) irgendeinen Vorteil muß der (der mir eine Alternative anbietet) doch haben; Hinzu kommt ein auflehnendes (sehr fragiles) Selbstwertgefühl: 'Wenn das Problem so leicht zu lösen wäre, müßte ich selbst ja zu dumm gewesen sein, um selbst darauf zu kommen'. Außerdem ist es immer schwierig, die ersten Systemaussteiger ins Boot zu holen, denn damit entfernen diese sich ja von der Masse, entfremden sich ihr; Verlust- und Vereinsamungsängste machen sich breit. Der Mensch ist ein Rudeltier, und genau darauf fußt ja auch die Macht sämtlicher Ideologien (zu denen u.a. auch alle theistischen Religionen gehören). Das ist auch der Grund, warum selbst Freunde, Verwandte und Kollegen, die uns durchaus schätzen, für intelligent halten und seit langem kennen, dann aussteigen, wenn wir ihre bisherigen Systeme in Frage stellen und dafür Alternativen anbieten, die so gar nicht mit dem harmonieren, was die Masse vertritt. Neues bedeutet dann - so gerne man das Alte los wäre - zunächst einmal Unsicherheit. Beim Alten kennt man zumindest die Spielregeln, man hat sich - nolens/volens - damit arrangiert, damit zu leben gelernt. Und so höhnisch man sich auch über die dummdreisten Sprüche der SchrödFischMerklMüntheStoib LaFontaineTrittins mokiert, so folgsam unterstellt man sich dem systemischen Wahnsinn, den diese Systemkreaturen uns qua pseudodemokratischer 'Legitimation' als Vorschriften, Gesetze und Verordnungen täglich um die Ohren schlagen. Man überläßt es Talkshows und den Medien, sich 'kritisch' mit den gegebenen Mißständen auseinanderzusetzen, saugt genüßlich auf (man hat's ja schon immer gewußt!), wenn einer dieser Protagonisten des Systems über seine eigene Gier stolpert, ins Fettnäpfchen tritt und (nach äußerster Gegenwehr) - wer wird schon gern von der öffentlich-(un)rechtlichen Futterkrippe verdrängt?!? - zurücktreten muß. Wir lauschen den Kabarettisten, den geduldeten Hofnarren des Systems - die sich in früheren Zeiten auch Kaiser und Könige leisteten -, nur zu einem wirklichen Wandel, zu einem Ausstieg sind wir immer noch nicht bereit. Dabei bieten weder die Maischbergers und Christiansens, noch die Riechlings und Hildebrandts tatsächlich Alternativen, vielmehr sehen sie es als ihre (durchaus auch das eigene Ego fördernde und das eigene Konto füllende) Aufgabe an, als Alibifunktion für den (selbst)verunfähigten Bürger als Sprachrohr zu dienen - ohne freilich das geringste zu ändern. Sie protegieren damit sogar den Irrglauben, wir lebten in einer öffentlichen Meinungsfreiheit. Nein, nicht die tatsächliche Unmöglichkeit, etwas zu verändern, verhindert einen Ausstieg aus dem System und eine nachhaltige Verbesserung der Verhältnisse, vielmehr hält die Summe der fiktiven, also irrealen Ängste der Masse die Menschen davon ab, sich ihrer parasitären Blutsauger zu entledigen und das System zu sprengen. Wirklicher Wandel erfolgte zu allen Zeiten nur entweder über Katastrophen (einen spontanen Bruch des Systems) oder über lange Zeitläufe und einen bisweilen nervtötend langen Bewußtseinswandel. Nun hoffen wir zwar, daß uns ersteres erspart bleiben möge und wir - im Zeitalter der Informationsgesellschaft - vielleicht weniger lange dazu brauchen, das Bewußtsein der breiten Masse zu verändern, wir sollten uns jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß alle informationellen Chancen grundsätzlich auch vom System (und seinen Heloten und Nutznießern) egoistisch mißbraucht werden - mit dem klaren Ziel, die Masse tumb und vor allem ruhig zu halten. Zudem bedingen mögliche Chancen auch noch nicht (quasi automatisch), daß diese dann auch genutzt werden. Wer heute hoffnungsschwanger auf die Revolutionen, das soziale Aufbegehren in Kirgisien, in der Ukraine und anderen Ländern verweist, möge nicht übersehen, daß deren Bevölkerungen wirklich auf der untersten Sprosse der Wohlstandsleiter stehen. Sprich: Mit dem Hinweis auf eine zunehmende Verarmung in Deutschland - so wahr diese ist - werden wir keinen Preis erringen, nicht die Gedanken der Masse der hiesigen Bevölkerung erreichen. Vielmehr muß es uns darum gehen, geduldig und beharrlich aufzuklären, die Menschen einzuladen, sich mit den tatsächlichen Verhältnissen und Gefahren, dem perfiden Handeln und Verhindern unserer korrupten Politik und deren Protagonisten auseinanderzusetzen. Bildung, Wissen, Verständnis und Handlungsbereitschaft können nicht gesetzlich verordnet oder erzwungen werden, vielmehr beruhen sie auf der freiwilligen Annahme von ebenso freiwilligen Angeboten. So mühsam der Weg auch sein mag: Saubere Macht beruht auf Kooperation - im Gegensatz zu Zwang, der sich korruptiver Mechanik bedient. Der generelle Parameter der Kooperation ist die Motivation (motivum dare = eine Möglichkeit anbieten), während Zwang und Korruption sich der Manipulation (manu pulare = mit der Hand ziehen, zwingen) bedienen. Die Basis des notwendigen 'Neuen Denkens' muß also darin liegen, mit viel Geduld, ethisch sauber und zwanglos aber konsequent die Verkrustungen des Systems aufzuweichen, um den systemstützenden Pragmatismus in praktisches Denken zu wandeln, dem starren System eine schematische Öffnung als Alternative gegenüberzustellen, Freiheit von Gleichheit abzugrenzen, Ängstlichkeit mit Mut zu kompensieren, Erziehung über Dressur zu stellen, Innovation nicht länger als Deckmäntelchen von Konvention mißbrauchen zu lassen, Leadership über Management zu stellen, Zuwachs vor Einschränkung, Entfaltung vor Verwaltung. Freiheit ist die Grundlage natürlicher Entwicklung und Kreativität, Gleichmacherei lebt hingegen von Reglementierung und führt zu stumpfsinniger Nachahmung. Authentizität verlangt die Besinnung auf eigenes 'DenkFühlen' und Wettbewerb ist eine natürliche Lebensform, keine Frage systemischer Moral, sondern wahrhaftig originärer Sozialität und ursprünglicher Ethik. Wir haben einen langen, sicherlich mitunter beschwerlichen Weg vor uns, auf dem wir erst mal mehr 'Neins' als 'Jas' hören, mehr Kopfschütteln als freudige Zustimmung gewärtigen müssen. Doch wenn wir wirklich etwas ändern wollen und nicht in späteren Jahren unseren Enkeln mühsam und beschämt erklären wollen, warum 'wir damals keine Chance hatten' und zu feige, bequem und ängstlich waren, um zu handeln, dann haben wir keine Alternative.
Ergo: Frisch und unverzagt ans Werk - in hoc sensu vinceremus!
H.-W. Graf
Josephine & Sabrina Ein Zeichen für selbstverständlich gelebte Hilfe!
Josephine & Sabrina
25. Mai 1991 � blauer Himmel und strahlende Sonne über ganz Deutschland. Auch dieser Tag tickte auf die Minute 16.50 Uhr zu. In dieser Minute wurde bei einem dramatischen Autounfall eine glückliche Familie zerschmettert. Josephines geliebte Mutter überlebte den Unfall nicht. Vater und Bruder wurden schwer verletzt. Josephine, 3 Jahre alt, erlitt Schädel-Hirn-Verletzungen 3. Grades und Brüche an ihrem kleinen Körper. Als wir diese furchtbare Nachricht erhielten hoffte ich für Josephine zunächst nur, dass ihr liebes Gesicht nicht zerstört sein möge, ahnte nicht, was eine Schädel-Hirn-Verletzung bedeutet. Mein Mann, von Beruf Arzt, schonte mich. Man fiel in ein entsetzlich tiefes Loch um den Verlust der Tochter. Aber da waren die Kinder! In ihnen den Stein zum eigenen Weiterleben finden � an den eigenen Haaren hochziehen � so musste es weitergehen! Das Ärzteteam, die Schwestern und Therapeuten kämpften um Josephines Überleben. Sie fiel für 9 Wochen ins Koma. Wir begleiteten sie täglich fast rund um die Uhr. Keiner ahnte, dass es innerhalb von 3 Jahren und 8 Monaten durch 7 Kliniken ging und 7 große Operationen nötig waren. Als Josephine in die Aufwachphase hinüberglitt, mussten wir erleben, dass sich alle ärztlichen Prognosen bestätigten. Die Brüche waren geheilt, aber fast alle Körperfunktionen waren gestört. Nahrungsaufnahme, Sehvermögen, die Sprache waren für über 2 Jahre verloren. Sitzen, greifen, geschweige denn laufen � ein absolutes Rollstuhlkind. Wir waren bei ihr, sprachen über Vertrautes zu ihr. Eines Tages ein Lichtblick, ihr eingegipster Bruder (auch er wurde bei dem Unfall schwer verletzt) sang an ihrem Bett � �Hänschen klein pubst allein� � da flog ein winziges Lächeln über ihr Gesicht. Es war also noch etwas vorhanden! Wir schworen uns darauf aufzubauen � Tag für Tag, Stunde für Stunde. In jeder Klinik wurden wir in das Team eingebaut. Winzige Erfolge ketteten sich zu großen Fortschritten aneinander. Mit 7 Jahren konnten wir an eine Einschulung denken. Die Schulfähigkeit wurde bestätigt. Unsere sehr verständnisvolle und kompetente Grundschuldirektorin integrierte Josephine, als in Thüringen und schon gar nicht in Neuhaus an Integration zu denken war, in die erste Klasse der Grundschule. Im Schulalltag zeigten sich deutlich ihre unzähligen Handicaps, zum Beispiel, großer Tempoverlust, Mangel an Konzentration und Aufmerksamkeit über längere Zeit, manuelle Defizite, als Rechtshänder umpolen auf links, wegen verbliebener Schwäche der rechten Körperhälfte, es fehlte Hilfe beim Ranzen ein- und auspacken, sowie dessen Transport, auf der Toilette, in der Hofpause usw.
Und nun tritt Sabrina, eine Klassenkameradin, in Josephines Leben. Die äußerst erfahrene und engagierte Klassenlehrerin förderte das natürlich. Sabrina war von Anfang an die so wichtige Hilfe für Josephine und das Verbindungsglied zwischen der Schule und mir. Sie half uns, dass wir den so enorm schweren Anfang schafften. Sie hat Tag für Tag geholfen und wesentlich dazu beigetragen, dass wir Josephine nicht auf eine Internatsschule schicken mussten. So verloren wir unseren dauernden und fördernden Einfluss auf Josephine nicht, was besonders mir äußerst wichtig war. Damals ein Kind � jetzt Jugendliche - es klingt fast unglaublich, bei dieser täglichen und unermüdlichen Hilfe ist Sabrina nun schon fast 9 Jahre geblieben !!
Von Josephines Handicaps ist am tragischsten der Tempoverlust geblieben, was sehr typisch bei Schädel-Hirn-Verletzten ist. Im Unterricht läuft praktisch ein �zu schneller Film� für sie ab. Sabrina überbrückt das wie folgt. Sie schreibt schon in der Schule in die Hefte für Josephine ein, nimmt ihre Hefte zum Nachschreiben mit nach Hause oder borgt ihre Hefte an Josephine aus, ich rufe sie an, sie diktiert mir den Unterrichtsstoff, ich kann jederzeit nachfragen, sie schreibt über Wochen - während der langen Operationszeiten � mit, Sabrina ist immer ansprechbar und das alles mit absoluter Zuverlässlichkeit. So schafft Josephine ihre Schullaufbahn mit guten Ergebnissen. Sabrina steht an ganz vorne in der Reihe derer die Josephine in ihr normales Leben zurückgeführt haben und ihr helfen, dass sie darin auch besteht. Um sie dafür gebührend zu ehren, ein öffentliches Zeichen für Liebe und selbstverständliche Hilfe zu setzen, schafften wir es, sie als Kandidatin in die MDR-Sendung �Sonntag � die Show der Überraschungen� - für Menschen die Gutes tun - zu bringen. Diese wunderbare Geschichte � ein Schulbeispiel, dass Schule machen sollte � wurde sofort in die nächste Sendung aufgenommen. Für die ganze Klasse, die immer hinter Josephine steht, wurde das zu einem einmaligen Erlebnis.
Von der Schulbank ins Fernsehen!
Ein MDR-Team kam zu Fernsehaufnahmen in die Schule � auch Schüler durften hinter die Kamera! Die Fahrt in einem tollen Bus nach Leipzig, eine Führung durch das Funkhaus, ein tolles kaltes Buffet und vieles mehr. Dann nahte der Start zur Aufzeichnung der Sendung und es ahnte immer noch kein Schüler, dass sie selbst ein Teil der Sendung sind. Absolute Überraschung auch für Sabrina! Auf dem Sofa auf der Bühne neben Axel Bulthaupt (Moderator der Sendung) war sie immer noch fast sprachlos, aber die innere Freude konnte man ihr ansehen. Sichtbare Freude dann aber auf der Showbühne. Ihr favoritisierter Star � Rod Michael � ehrte Sabrina mit einen ganz persönlichen und nur für sie geschriebenen Song. Ein Extra-Bonbon ist ein Auftritt in bzw. vor der ganzen Schule in Neuhaus am Rennweg. Josephine übereichte einen großen Blumenstrauß mit �Fernsehen� und einer Widmung.. Dazu bekam Sabrina ein gläsernes Köfferchen mit lieben und ganz persönlichen Dingen.
Das hat sie verdient!
Möge dieses Beispiel ein Zeichen setzen behinderten Menschen zu helfen. Gisela Conrad Großmutter von Josephine Anmerkung des Webmasters: Auch ich kenne die Geschichte und konnte � wenn auch nur gering � helfen. Darum weiß ich auch, dass Frau Conrad eine enorme Lebensleistung vollbracht hat. Liebe Frau Conrad, dafür danke ich ihnen sehr!
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