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Geschrieben von: Administrator   
Sonntag, den 24. Januar 2010 um 10:28 Uhr

Josephine & Sabrina
Ein Zeichen für selbstverständlich gelebte Hilfe!

 


Josephine           &               Sabrina


25. Mai 1991 - blauer Himmel und strahlende Sonne über ganz Deutschland. Auch dieser Tag tickte auf die Minute 16.50 Uhr zu. In dieser Minute wurde bei einem dramatischen Autounfall eine glückliche Familie zerschmettert.

Josephines geliebte Mutter überlebte den Unfall nicht. Vater und Bruder wurden schwer verletzt. Josephine, 3 Jahre alt, erlitt Schädel-Hirn-Verletzungen 3. Grades und Brüche an ihrem kleinen Körper.
Als wir diese furchtbare Nachricht erhielten hoffte ich für Josephine zunächst nur, dass ihr liebes Gesicht nicht zerstört sein möge, ahnte nicht, was eine Schädel-Hirn-Verletzung bedeutet. Mein Mann, von Beruf Arzt, schonte mich.
Man fiel in ein entsetzlich tiefes Loch um den Verlust der Tochter. Aber da waren die Kinder! In ihnen den Stein zum eigenen Weiterleben finden - an den eigenen Haaren hochziehen - so musste es weitergehen!
Das Ärzteteam, die Schwestern und Therapeuten kämpften um Josephines Überleben. Sie fiel für 9 Wochen ins Koma. Wir begleiteten sie täglich fast rund um die Uhr. Keiner ahnte, dass es innerhalb von 3 Jahren und 8 Monaten durch 7 Kliniken ging und 7 große Operationen nötig waren.

Als Josephine in die Aufwachphase hinüberglitt, mussten wir erleben, dass sich alle ärztlichen Prognosen bestätigten. Die Brüche waren geheilt, aber fast alle Körperfunktionen waren gestört. Nahrungsaufnahme, Sehvermögen, die Sprache waren für über 2 Jahre verloren. Sitzen, greifen, geschweige denn laufen - ein absolutes Rollstuhlkind. Wir waren bei ihr, sprachen über Vertrautes zu ihr. Eines Tages ein Lichtblick, ihr eingegipster Bruder (auch er wurde bei dem Unfall schwer verletzt) sang an ihrem Bett "Hänschen klein pubst allein" da flog ein winziges Lächeln über ihr Gesicht. Es war also noch etwas vorhanden!
Wir schworen uns darauf aufzubauen - Tag für Tag, Stunde für Stunde. In jeder Klinik wurden wir in das Team eingebaut. Winzige Erfolge ketteten sich zu großen Fortschritten aneinander.

Mit 7 Jahren konnten wir an eine Einschulung denken. Die Schulfähigkeit wurde bestätigt.

Unsere sehr verständnisvolle und kompetente Grundschuldirektorin integrierte Josephine, als in Thüringen und schon gar nicht in Neuhaus an Integration zu denken war, in die erste Klasse der Grundschule.
Im Schulalltag zeigten sich deutlich ihre unzähligen Handicaps, zum Beispiel, großer Tempoverlust, Mangel an Konzentration und Aufmerksamkeit über längere Zeit, manuelle Defizite, als Rechtshänder umpolen auf links, wegen verbliebener Schwäche der rechten Körperhälfte, es fehlte Hilfe beim Ranzen ein- und auspacken, sowie dessen Transport, auf der Toilette, in der Hofpause usw.

    Und nun tritt Sabrina, eine Klassenkameradin, in Josephines Leben. Die äußerst erfahrene und engagierte Klassenlehrerin förderte das natürlich. Sabrina war von Anfang an die so wichtige Hilfe für Josephine und das Verbindungsglied zwischen der Schule und mir. Sie half uns, dass wir den so enorm schweren Anfang schafften. Sie hat Tag für Tag geholfen und wesentlich dazu beigetragen, dass wir Josephine nicht auf eine Internatsschule schicken mussten. So verloren wir unseren dauernden und fördernden Einfluss auf Josephine nicht, was besonders mir äußerst wichtig war.
    Damals ein Kind - jetzt Jugendliche - es klingt fast unglaublich, bei dieser täglichen und unermüdlichen Hilfe ist Sabrina nun schon fast 9 Jahre geblieben !!

Von Josephines Handicaps ist am tragischsten der Tempoverlust geblieben, was sehr typisch bei Schädel-Hirn-Verletzten ist.

Im Unterricht läuft praktisch ein "zu schneller Film" für sie ab.
Sabrina überbrückt das wie folgt. Sie schreibt schon in der Schule in die Hefte für Josephine ein, nimmt ihre Hefte zum Nachschreiben mit nach Hause oder borgt ihre Hefte an Josephine aus, ich rufe sie an, sie diktiert mir den Unterrichtsstoff, ich kann jederzeit nachfragen, sie schreibt über Wochen - während der langen Operationszeiten - mit, Sabrina ist immer ansprechbar und das alles mit absoluter Zuverlässlichkeit.

So schafft Josephine ihre Schullaufbahn mit guten Ergebnissen.
Sabrina steht an ganz vorne in der Reihe derer die Josephine in ihr normales Leben zurückgeführt haben und ihr helfen, dass sie darin auch besteht.
Um sie dafür gebührend zu ehren, ein öffentliches Zeichen für Liebe und selbstverständliche Hilfe zu setzen, schafften wir es, sie als Kandidatin in die MDR-Sendung "Sonntag - die Show der Überraschungen" - für Menschen die Gutes tun - zu bringen.
Diese wunderbare Geschichte - ein Schulbeispiel, dass Schule machen sollte - wurde sofort in die nächste Sendung aufgenommen. Für die ganze Klasse, die immer hinter Josephine steht, wurde das zu einem einmaligen Erlebnis.

Von der Schulbank ins Fernsehen!

Ein MDR-Team kam zu Fernsehaufnahmen in die Schule - auch Schüler durften hinter die Kamera!
Die Fahrt in einem tollen Bus nach Leipzig, eine Führung durch das Funkhaus, ein tolles kaltes Buffet und vieles mehr. Dann nahte der Start zur Aufzeichnung der Sendung und es ahnte immer noch kein Schüler, dass sie selbst ein Teil der Sendung sind.
Absolute Überraschung auch für Sabrina! Auf dem Sofa auf der Bühne neben Axel Bulthaupt (Moderator der Sendung) war sie immer noch fast sprachlos, aber die innere Freude konnte man ihr ansehen.
Sichtbare Freude dann aber auf der Showbühne. Ihr favoritisierter Star - Rod Michael - ehrte Sabrina mit einen ganz persönlichen und nur für sie geschriebenen Song. Ein Extra-Bonbon ist ein Auftritt in bzw. vor der ganzen Schule in Neuhaus am Rennweg.
Josephine übereichte einen großen Blumenstrauß mit "Fernsehen" und einer Widmung.. Dazu bekam Sabrina ein gläsernes Köfferchen mit lieben und ganz persönlichen Dingen.

Das hat sie verdient!

Möge dieses Beispiel ein Zeichen setzen behinderten Menschen zu helfen.


Gisela Conrad
Großmutter von Josephine


Anmerkung des Webmasters: Auch ich kenne die Geschichte und konnte - wenn auch nur gering - helfen. Darum weiß ich auch, dass Frau Conrad eine enorme Lebensleistung vollbracht hat. Liebe Frau Conrad, dafür danke ich ihnen sehr!





Zuletzt aktualisiert am Montag, den 15. März 2010 um 10:59 Uhr
 

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